Innovation

PropTechs und ConTechs

Innovative Technologien der Bauwirtschaft und wie durch kooperative Zusammenarbeit, Konnektivität geschaffen wird.

PropTechs und ConTechs

- Innovative Technologien die die Baubranche aufmischen

Charakteristisch für die Bauindustrie in Deutschland ist eine enorme Fragmentierung. Fragmentiert sind dabei nicht nur die vorherrschenden Baurechte, denn das ist Ländersache, sondern vor allem auch die Daten- und Softwarestruktur. Es gibt unzählige Lösungen, sowohl für umfassende Prozesse als auch für die kleinste Nische, diese Lösungen können jedoch nicht miteinander vereinbart werden. Das Resultat: Datensilos. Daten werden nicht zusammengeführt und können somit nicht umfassend genutzt werden. Ganz im Gegenteil, sie gehen verloren und der Projekterfolg bleibt aus.

Eine Problematik, die allseits bekannt ist und dafür gesorgt hat, dass PropTechs in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. So gab es im Juni 2020 bereits 452 PropTech Unternehmen. Allein in der DACH-Region, 67 von Ihnen wurden sogar erst in Q2 desselben Jahres gegründet. (Quelle: PropTech.de)

Digita Construction durch PropTechs

Ein neues PropTech, jeden zweiten Tag also – mit gemeinsamen Kräften gegen die vorherrschende Datenarchitektur ankämpfen? Oder ist diese Entwicklung nicht doch eher kontraproduktiv? Noch mehr Lösungen und noch mehr Anbieter bedeuten doch noch mehr Fragmentierung?

Nicht unbedingt! In der PropTech Szene setzt man auf Informationsaustausch. Die Unternehmen lechzen nach mehr Konnektivität im Bauwesen durch ihre Lösungen. Man ist sich durchaus darüber bewusst, dass dafür auch ein gewisses Maß an Zusammenarbeit benötigt wird. So sind Events wie die Real PropTech von blackprint Booster die am 4. und 5. März stattgefunden hat keine Seltenheit. Die Szene hat sich getroffen, vernetzt und ihre individuellen Lösungen gepitcht. Auch Tenera war bei der bisher größten Real PropTech dabei, die digital vonstattenging.

An dem Event haben rund 200, überwiegend nationale aber auch internationale, Unternehmen teilgenommen und gepitcht. Der Veranstalter hat die Teilnehmer in 8 Gruppen geordnet, um einen besseren Überblick über die PropTech Szene zu geben.

PropTech Kategorien

Die Gruppen und teilnehmenden Unternehmen decken dabei alles ab, was die PropTech Szene zu bieten hat. Von BIM, KI und Digital Twin, über Ausschreibung & Vergabe, Planungs- und Kostenmanagement Softwares, hin zu Materialbeschaffung, nachhaltiger Nutzung von Flächen und Smart Home. Die PropTech Szene ist bunt und vielfältig mit einer Vielzahl von Möglichkeiten sowohl für den B2B-Bereich als auch für den Endverbraucher.

PropTechs in Deutschland

Die PropTech Szene Deutschlands boomt. Knapp die Hälfte der Unternehmen sind noch sehr jung und wurden erst zwischen 2018 und 2020 gegründet, fast 60% sind bereits in einer fortgeschrittenen Unternehmensphase. Dies bedeutet, dass sie Ihre Marke bereits gelauncht haben und ein Produkt sich für den Kunden zugänglich im Betrieb befindet. Die auf COVID-19 zurückzuführenden Restriktionen haben dem stetigen Wachstum der PropTech Industrie keinen Abbruch getan, ganz im Gegenteil, die Unternehmen sehen sich eher als Gewinner der Pandemie und blicken den nächsten Jahren mit positiven Erwartungen entgegen.

Ein Erfolgsmerkmal von PropTechs ist sicher kooperative Zusammenarbeit, die sonst oft in der Branche fehlt. Softwareunternehmen verbinden, was schon lange hätte verbunden werden sollen und schaffen Konnektivität entlang der Wertschöpfungskette. Im Durchschnitt deckt ein PropTech 4,3 Assetklassen* und 3,2 Lebenszyklusphasen ab - Zusammenschlüsse sind da enorm sinnvoll, wo sie dem Kunden eine ganzheitliche Abdeckung aller Prozesse bieten. So arbeiten über 70% der PropTechs bereits partnerschaftlich, oft an „one-stop-shop" Lösungen, zusammen. Die Partnerschaft ist hier meist technischer Natur mit dem Ziel höhere Umsätze, größere Netzwerke und eine bessere Zielgruppenorientierung zu schaffen. (Quelle: PropTech Germany 2021 Studie)

*Assetklassen werden dazu genutzt um Immobilien in Bauweise, Nutzung und Qualität zu unterteilen (Wohnen, Büro, Mixed-Use, Hotel, Industrie, Handel, Logistik, Parken)

Kooperative Zusammenarbeit führt zu Konnektivität entlang der Wertschöpfungskette

Trotz positiver Zukunftsprognosen und mehr, bis deutlich mehr, Umsatz der Branche und einzelnen Unternehmen bleiben dieselben Herausforderungen bestehen. Die Lösungen sind gut und sinnvoll, nur wie bringt man das auch dem Kunden bei? Produktverkauf bleibt die größte Hürde der meisten PropTechs, dies ist oft auf die geringe Risikobereitschaft und Entscheidungsstrukturen beim Kunden zurückzuführen. So fehlt auf Entwicklerseite dann der Zugang zu Daten und die Erfahrung durch User Cases, das resultiert in höheren Produktentwicklungskosten. Eine Art Kettenreaktion, die auf ein grundlegendes Problem zurückzuführen ist - der Innovationsdruck fehlt in der Baubranche. Warum digitalisieren, wenn es auch so geht?

PropTech - was bedeutet das eigentlich?

Fakt ist PropTechs sind im Bauwesen in aller Munde und einige Vorreiter erfreuen sich bereits der technischen Lösungen und deren Vorteile. Was genau aber hinter dem Begriff steckt, dem seit 2010 immer mehr Wichtigkeit zugesprochen wird, ist oft noch unklar. PropTech ist eine Wortschöpfung die aus dem englischen „Property Technology", zu Deutsch Immobilien Technologie, abgeleitet wird (auch ReTech – Real Estate Technologie).

Der Begriff bezeichnet die digitale Transformation des Bauwesens und somit alle technologiebasierten digitalen Dienstleistungen für diesen Wirtschaftszweig. Das Ziel dabei ist mehr Projekterfolg: Schnellere, günstigere und ressourcenschonende Planung, Fertigstellung und Bewirtschaftung von Bauprojekten. Dabei werden Prozesse und Geschäftsmodelle durch die Nutzung innovativer Kommunikations- und Informationstechnologien optimiert. Langwierige Analogität wird zu smarter Digitalität. Ein breites Spektrum an Technologien ist so entstanden, doch insbesondere BIM, VR, AR, Sensorik, Robotik, KI, IoT, Blockchain und 3D-Druck haben sich in den letzten Jahren zum Fokus der PropTechs entwickelt.

PropTech ist ein definierter Wortbegriff und auch die Bezeichnung für Unternehmen dieses Wirtschaftszweiges. Meist konzentrieren sich die einzelnen Unternehmen darauf, einen bestimmten Prozess der Immobilienwirtschaft zu optimieren. Dabei können unzählige Prozesse in den Fokus rücken, denn Property Technology deckt den gesamten Lebenszyklus von Immobilien ab. Der Lebenszyklus beinhaltet hierbei die 9 Bauphasen, das darauf folgende Facility-Management und letztendlich auch Abbrucharbeiten und Ressourcen Wiederverwendung. Dies bedeutet unzählige Lösungsansätze sowohl im B2B Bereich, als auch im B2C Bereich.

ConTech Kategorien

Trotz des breiten Spektrums an Möglichkeiten bilden sich klare Trends in der PropTech Szene ab. Besonders an der Optimierung von Mobilitätsthemen wie der „Stadt der Zukunft“ wird von vielen PropTechs gefeilt. Wie werden wir in Zukunft miteinander Leben, ist hier eine der zentralen Fragen die Antworten bedarf. Immer mehr Deutsche leben im urbanen Umfeld. Der Wohn-, Arbeitsraum und Platz zum Leben wird knapper und teurer und bisher hat das Bauwesen noch keine Lösung gefunden. PropTechs aber, arbeiten daran und so wird intensiv an Ideen rund um Smart City, Smart Home, Rental Services, Co-Working-Spaces und vielen weiteren Konzepten gefeilt.

All das sind sinnvolle Lösungen, die unser Leben in Zukunft digitaler werden lassen, der Bau selber muss allerdings auch digitaler werden. Keine Industrie hängt in Sachen Digitalisierung so weit zurück wie die Bauwirtschaft. In den letzten 20 Jahren konnte keine Effizienzsteigerung im Bauwesen verbucht werden, was diesen eigentlich boomenden Wirtschaftszweig negativ beeinträchtigt. Der Sprung in eine digitale Zukunft wird zunehmend unabdingbar, da sind sich Experten der Branche einig. Wer in Zukunft noch geschäftsfähig sein möchte, wird seine Effizienz steigern und der Digitalisierung folgen müssen. Welche Hindernisse bis dahin zu überwinden sind und welchen Trends man folgen sollte, darüber haben wir mehr als 50 Experten befragt. All das gibt es hier nachzulesen.

Die Digitalisierung der Bauindustrie – Ausblick 2030

Klar ist: Lösungen müssen her, auch spezielle für die 9 Bauphasen, in diesem Zusammenhang fällt immer häufiger der Begriff ConTech.

ConTechs - die Phasen des Bauens werden digital

Construction Technology (kurz ConTech) bezeichnet die Verknüpfung des Baugewerbes mit innovativen technischen Lösungen. Idealerweise soll ein digitales Ökosystem entstehen, das sich über einzelne Unternehmen hinaus, auf gesamte Wertschöpfungsketten erstreckt und diese durch Technologie modernisiert und verbindet. Das Ziel auch hier: Prozessoptimierung, geringere Bau- und Betriebskosten, Ressourcenschonung und schnellere Fertigstellung.

Digitale Zukunft im Bauwesen

ConTech ist also ein Unterbegriff zu PropTech, der sich auf spezielle Lösungen und Unternehmen bezieht, die die Digitalisierung der 9 Bauphasen anstreben. Jeder Maßstab ist dabei möglich, vom kleinen Handwerksbetrieb, der bei Privatpersonen saniert, bis hin zur Planung und Durchführung von Mega Projekten. In der Umsetzung bedeutet dass Plattformen, Tools und Softwarelösungen für beispielsweise folgende Bereiche:

  • Digitale Überwachung von Baumaschinen
  • Baudokumentation
  • Mängelmanagement
  • Baufortschrittskontrolle
  • Kostenmanagement
  • Ausschreibung & Vergabe
  • Vermietung von Baumaschinen
  • Gewerke Suchmaschinen
  • Baustellendokumentation

In vielen Bereichen gibt es hier schon sinnvolle Lösungen, die tagtäglich von den Akteuren der Bauwirtschaft benutzt werden, andere bedürfen noch Entwicklung. Das Problem bleibt dasselbe: Die Fragmentierung der deutschen Bauindustrie und die damit einhergehende Frage wie wir einheitliche Strukturen schaffen können. Zu viele inkompatible Softwares, Tools und Plattformen machen es den Akteuren schwer. Mehrere Lösungen zu erwerben und zu benutzen wäre nicht nur finanziell unwirtschaftlich, sondern würde auch einen größeren Zeitaufwand erfordern, als die momentan noch eher analogen Strukturen.

Datensilos auflösen, die Kluft zwischen den Akteuren der Immobilienbranche schließen und Konnektivität schaffen! Das sind die Herausforderungen der PropTechs. Kooperative Zusammenarbeit ist das Stichwort. Dies kann nur durch Informationsaustausch stattfinden und wird durch Partnerschaften, gemeinsame Netzwerke und Events unterstützt.

PropTech und ConTech steht für kooperative Zusammenarbeit, eine erfolgreiche Digitalisierung der gesamten Branche wird nicht von nur einem Softwareanbieter gewährleistet werden können, daher gilt es Wege zu finden, die dies auch erlauben – denn profitabel will man als Unternehmen natürlich trotzdem sein. Eine Lösung hierbei kann eine neue Datenarchitektur sein. Kunden von Softwareunternehmen haben oft mit einer fragmentierten oder zentralisierten Datenarchitektur umzugehen. Fragmentiert bedeutet viele Anbieter für einzelne Prozesse, zentralisiert heißt ein Anbieter mit mehreren Lösungen. Das Problem solcher Strukturen aber ist, dass alle am Bauvorhaben Beteiligten dieselben Lösungen haben müssten, um diese auch effizient zu nutzen – ein Ding der Unmöglichkeit.

Eine cloudbasierte Datenarchitektur könnte hier Abhilfe schaffen – ein modularer Baukasten, der es erlaubt mehrere Lösungen an einem Ort zusammenzuführen. Das komplizierte Software-Wirrwarr wird so unter ein Dach gebracht und alle profitieren – die Bauakteure, deren Kunden, unsere Umwelt und natürlich auch die verschiedenen Anbieter von Software, Tools und Plattformen. Konnektivität – einfach ist das sicher nicht, umsetzbar aber schon.

Datenarchitektur im Bauwesen

Die Prop- und ConTech Szene ist also als Akteur der Digitalisierung der Bauindustrie nicht mehr wegzudenken. Welche Ansätze sich letztendlich dauerhaft durchsetzen und den Markt und die Baubranche nachhaltig verändern werden bleibt abzuwarten. Sicher ist, die Digitalisierung wird kommen und PropTechs werden dabei eine zentrale Rolle spielen.

E-Book herunterladen

Veröffentlicht von

Franziska Schmudezki

18.11.2021

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