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Der Bau als Schlusslicht in Sachen  Digitalisierung

3 Faktoren warum die Baubranche hinterher hinkt und 5 Lösungsansätze um diesen Zustand zu ändern. Erfahren Sie mehr in diesem Blogbeitrag.

Die Baubranche als Schlusslicht der Digitalisierung

-3 Faktoren warum die Baubranche Schlusslicht in Sachen Digitalisierung ist und 5 Lösungsansätze um diesen Zustand zu ändern

Das Bauwesen gehört zu den Schlusslichtern in Sachen Umsetzung innovativer Technologien und hängt damit der restlichen Wirtschaft Deutschlands hinterher. Während die deutsche Gesamtwirtschaft seit 1995 um 1,32% jährlich produktiver wurde, stagniert die Leistungssteigerung der Baubranche mit einem jährlichem Produktivitätswachstum von 0,26%. Vor einem Anstieg von Lohn- und Materialkosten bleiben aber auch die Akteure der Bauindustrie nicht verschont und müssen dafür am Ende selber aufkommen oder dem Kunden höhere Preise aufdrücken. Also müssen Lösungen her, um weiterhin lukrativ zu bleiben! Digitalisierung könnte hier der Schlüssel zu weiterbestehendem Erfolg sein, theoretisch zumindest, denn an der Umsetzung und Implementierung innovativer Technologien hapert es noch gewaltig.

Warum also hinkt die Baubranche so weit hinterher? Eine Vielzahl von Gründen scheinen hierfür der Auslöser zu sein. Wer trägt die Verantwortung dafür, dass der Bau oft immer noch genau so betrieben wird wie vor 20 Jahren? (Quelle: McKinsey & Company)

3 Faktoren die das Bauwesen zum Schlusslicht in Sachen Digitalisierung werden lassen:

Digitalisierungsangst von General- und Subunternehmern: Digitalisierung, Automatisierung, Prozessoptimierung - das sorgt im Endeffekt doch sowieso nur dafür, dass Arbeitsplätze abgebaut werden und weniger an den Aufträgen verdient werden kann, warum sollte man sich als Generalunternehmer also selber ins Bein schießen, Digitalisierung als Monition? Im allgemeinen Volksmund ist Automatisierung oft nicht allzu beliebt, doch sind die negativen Assoziationen wirklich wahr oder nur eine gefundene Ausrede?

Vorteile von Digitalisierung
Umfrage mit über 500 Teilnehmern, zu den durch Digitalisierung zu erwartenden Vorteilen. (Quelle: Tenera) 

Ja, Prozessoptimierung wird wohl dazu führen, dass Aufträge in kürzerer Zeit, mit weniger Ressourcen und im Endeffekt auch geringerem Verdienst pro Projekt fertiggestellt werden, aber ist das wirklich negativ zu betrachten? Deutschland steckt im "Baustau", in Berlin hat er sich in den letzten 10 Jahren sogar verdreifacht . Die Baubranche boomt und Genehmigungen gehen Tag ein Tag aus durchs Amt, doch gebaut wird am Ende trotzdem nicht. Die Kapazitäten der Firmen sind zu klein, die Auftragslage dagegen extrem gut - von digitalen Technologien, die es ermöglichen mehr Aufträge in einer kürzeren Zeit abzuschließen, müsste man im Umkehrschluss also sogar profitieren. (Quelle: Morgenpost)

Doch was ist mit den Arbeitsplätzen, wenn man in Zukunft dank der Automatisierung und Digitalisierung von Prozessen für die selbe Tätigkeit nur noch halb so viel Arbeitskraft benötigt? Fakt ist, der Bau, besonders die harte körperliche Arbeit auf der Baustelle, ist für junge Leute kaum noch attraktiv. Die Industrie überaltert. Das Problem der Zukunft ist nicht Arbeitsplatzabbau durch Digitalisierung, sondern Baustau durch Fachkräftemangel. So Dirk Ebersbach von VIA IMC: „Also ich gehe davon aus, dass wir letzten Endes heute einen Bagger, einen Operator haben und wahrscheinlich werden wir in drei oder vier Jahren oder fünf Jahren fünf Bagger und einen Operator haben. Es ist aber nicht deshalb, weil wir Leute abbauen. Das hängt einfach mit der Altersstruktur zusammen." Die Nutzung innovativer Technologien könnte hier Abhilfe schaffen. Sie könnte zum einen viele Aufgaben effizienter machen, die sonst vielleicht sogar liegen bleiben würden. Zum Anderen würde der Arbeitsplatz Baustelle für Gen Z, Digital Natives und Co. wieder attraktiver werden.

Wer soll die Umstellung bezahlen? IT-Strukturen, Softwarelösungen, Tools und jemand der einem das Ganze auch noch erklärt. Innovation ist zuerst einmal teuer, ein enorm kostspieliges Unterfangen, das sich nicht jeder leisten kann oder will. Hier gilt es abzuwiegen, Investition in eine effizientere Zukunft, die sich in wenigen Jahren auszahlen wird oder beibehalten der traditionellen Strukturen, so lange man noch konkurrenzfähig ist. Rational betrachtet scheint die Entscheidung zur Digitalisierung also die richtige zu sein, umgesetz wird das in der Praxis auf Bauunternehmerseite immer noch kaum. Der Innovationsdruck fehlt. Experten sind sich jedoch sicher, die Digitalisierung der Bauindustrie wird kommen. (Quelle: Die Digitalisierung der Bauindustrie - Ausblick 2030)

Seit einigen Jahren wird jene massiv durch die Entwicklungen in der sogenannten PropTech und ConTech Szene vorangetrieben.

Konsolidierung von Softwareherstellern: Nachfrage schafft Angebot? Im Bereich Digitalisierung und technischer Innovation für die Baubranche ist das eher umgekehrt. Das Angebot ist da, die Nachfrage muss erst noch geschaffen werden. Wie ist das aber möglich, in dieser analogen Industrie, die der Digitalisierung noch nicht so recht vertrauen mag? Sind die Lösungen für den Kunden überhaupt relevant? Gute Lösungen zu finden, die auch zu einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Digitalisierung führen, ist einer der zentralen Faktoren, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden werden. Die PropTechs müssen hier in kooperativer Zusammenarbeit mit den Unternehmern stehen. Umgekehrt müssen Bauunternehmen auch für Anwendungsfälle, Feedback und gemeinsames Entwickeln mit Softwareanbietern bereit sein, um bestmögliche Lösungen zu finden.

Digitalisierung der Bauindustrie

Die Branche ist lukrativ und hart umkämpft, mit einem enormen Wachstumspotenzial von dem alle profitieren wollen. So setzte die Bauindustrie 2020 alleine in Deutschland mehr als 138 Milliarden Euro um. Die Prognosen ist durchaus steigend. Das führt zu einem Rennen um die beste Umsetzung und Entwicklung von technischer Innovation für den Bauunternehmer und zahlreichen Einzellösungen. Viele Lösungen bieten zwar eine breite Auswahl für den Bauunternehmer, führen aber auch zu einer zerstreuten Datenarchitektur. Für funktionierende Prozessoptimierung wird Konnektivität entlang der gesamten Wertschöpfungskette benötigt, manuelle Schnittstellen müssen reduziert werden. Eine zerstreute Datenarchitektur ist also kontraproduktiv.(Quelle: Statista)

Digitalisierung sollte verbinden. Ein Anbieter wird dabei unmöglich die gesamte Wertschöpfungskette abdecken können. Einzellösungen sind bisher nur selten kompatibel. Wie können wir dieses Paradoxon also umgehen? Als meistversprechender Lösungsansatz wird hier eine cloud-basierte Datenarchitektur gesehen, die Bauunternehmen die Möglichkeit kooperativer Zusammenarbeit gibt und dem Kunden die Möglichkeit die für Ihn am besten geeigneten Lösungen zusammenzustellen. So können Daten von allen beteiligten einheitlich genutzt werden.

Zukunftsorientiertes Denken von Bauunternehmer und Softwarefirmen ist also der Schlüssel zum Erfolg. Weg von fragmentierter, komplizierter Datenstruktur hin zu Konnektivität und kooperativer Zusammenarbeit. Fragmentiert ist aber nicht nur die vorherrschende Datenlandschaft, sondern auch das deutsche Baurecht.

Fragmentierte Gesetzgebung von Bund und Ländern: Bauen ist in Deutschland immer noch Ländersache. Das nationale Budget für öffentliche Bauten wird ja schließlich auch von Ländern, Kommunen und letztendlich sogar Gemeinden aufgeteilt. 16 Länder, 16 verschiedene Vorgaben vom Gesetzgeber. Wie soll da einheitliche Digitalisierung stattfinden? Der Minister eines Landes spricht der Digitalisierung eine höhere Priorität zu, als ein weiterer eines anderen Landes. So werden die Gelder für Innovationen in Deutschland unterschiedlich verteilt. Ein einziges Chaos durch das sich Firmen, sowohl im ausführenden, als auch im entwickelnden Bereich kämpfen müssen.

Fragmentierte Gesetzgebung im Baurecht

Erste nationale Ansätze wie der "Stufenplan Digitales Planen und Bauen - Einführung moderner, IT-gestützter Prozesse und Technologien bei Planung, Bau und Betrieb von Bauwerken", vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, der es vorsieht ab 2020 für alle öffentlichen Bauten BIM zu nutzen, gibt es bereits. In der Infrastruktur konnte man BIM also schon umsetzen, in anderen Bereichen des öffentlichen Bauens hängt man mit der Einführung innovativer Technologien aber noch hinterher. Einer Vorbildfunktion konnte der Bund hier also eher nicht gerecht werden, Bestrebungen aus der Wirtschaft heraus, etwas zu verändern, steht man aber positiv gegenüber. „Die Verantwortung für die Digitalisierung sehen wir bei der Wirtschaft. Die Innovationsleistung der einzelnen Akteure erachten wir als besonders wichtig. Daher begrüßen wir das Engagement von Tenera. Bei unseren eigenen Bauvorhaben fördert und fordert das BMI die Einführung digitaler Methoden im gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks." - so eine Mitteilung aus dem Bundesministerium des Innern, Bau und Heimat.

Weiterhin wird von vielen Experten eine Änderung in Sachen Ausbildung und Studium rund um das Thema Bauen angepriesen. Neue Technologien werden auch eine zusätzliche Expertise des klassischen Bauarbeiters, Architekten und Projektmanagers benötigen. Attraktive Ausbildungsmöglichkeiten für attraktive Karrierewege sollten vom Bund gefordert und gefördert werden, um dem Fachkräftemängel und Baustopp entgegen zu wirken.

Verantwortung für Digitalisierung

Wessen Verantwortung ist nachhaltige Digitalisierung also nun eigentlich? Bund? Länder? Bauunternehmer? „Ich denke, das ist ein gemeinsamer Akt, der vollzogen werden muss. Es sind eigentlich alle daran beteiligt, seien es Unternehmen, sei es die Politik oder sei es eine allgemein universitäre Einrichtung oder eine Forschungseinrichtung [...] Also im Endeffekt dieser Dreiklang durch den Einsatz dieser drei Parteien. Die Wissenschaft, die private Wirtschaft und auch die Politik.", so Jan-Iwo Jäkel von der Leibniz Universität Hannover. Schuldzuweisungen bringen also nur wenig und führen auch nicht zu mehr Projekterfolg. Die Verantwortung für den eigenen Erfolg liegt letztendlich bei jedem Einzelnen. Digitalisierung und Konnektivität entlang der Wertschöpfungskette ist ganz klar eine Hürde. Doch sind bereits sinvolle Lösungsansätze am Martk vorzufinden

5 Lösungsansätze für gelungene Digitalisierung

Digital construction: Das bedeutet dass digitale Technologien in allen Phasen eines Bauvorhabens angewendet werden. So können Fehlerquellen bereits in der Planung identifiziert und ausgemerzt werden, Nachträge werden vermieden, Ressourcen geschont und Kosten im Rahmen gehalten. BIM und KI Technologien kommen hierbei oft zum Einsatz, ebenso wie eine cloud-basierte Software die alle Daten zentral an einem Ort speichert und Zugriff für alle am Bauvorhaben Beteiligten ermöglicht.

Digital Construction schafft Transparenz durch Datenstrukturen die das Risiko für Planungs- und Ausführungsfehler enorm verringern. Planungssicherheit wird geschaffen - Baukosten werden minimiert.

Lean Management: Hierbei werden sämtliche Prozesse und Aktivitäten so aufeinander abgestimmt, dass jegliche Art von Verschwendung entlang der gesamten Wertschöpfungskette vermieden wird. Prozessmanagement ist das Stichwort zum Erfolg. Lean Management betrachtet dabei den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerkes von der Planung, über die Errichtung, Nutzung und Instandhaltung bis hin zu potenziellen Umbauten und einem Abriss. Gelungenes Lean Management, das es schafft den Kunden und die Wertschöpfungskette in den Fokus zu stellen und das zu implementieren, was es verspricht, bedarf digitaler Unterstützung. Verschiedene Anbieter ermöglichen ihren Kunden schon heute, Prozesse durch innovative, seine Prozesse durch innovative Software und Tools effizienzsteigernd zu optimieren und dabei Kosten zu minimieren und die unnötige Verschwendung von Ressourcen einzudämmen.

Integrale Planung: Im Allgemeinen spricht man von integraler Planung, wenn Experten aus verschiedenen Bereichen simultan an kreativen Lösungen zu einem Planungsprozess arbeiten. Im Bezug auf das Bauwesen bedeutet das also, das etwa Architekten, Tragwerksplaner und Ingenieure nicht wie üblich, individuell planen, sondern gemeinsam. Dieses kreative interdisziplinäre Zusammenspiel führt durch Kommunikation und Kooperation zu strukturierten, zielorientierten und transparenteren Prozessstrukturen. Schnittstellen zwischen einzelnen Planungsschritten werden so überwunden, Bauwerke und Gebäudetechnik aufeinander abgestimmt und eine höhere Planungsqualität in kürzerer Zeit gewährleistet.

Integrale Planung

Digitalisierung hat Planung enorm vorangetrieben. Daten können heute an einem Ort zugänglich gemacht werden und die notwendige kooperative Zusammenarbeit wird durch modernste Kommunikationstechnologie unterstützt.

Plattformlösungen: Die Vereinfachung, Automatisierung und Optimierung von Arbeitsabläufen - das versprechen Plattformlösungen. Digital Construction, Lean Management und Integrale Planung sind vielversprechende Lösungsansätze, nur brauchen sie auch das richtige digitale Medium um umzusetzen, was man sich in der Theorie von ihnen verspricht. Plattformen schaffen hier Abhilfe und bieten dem Nutzer die Anwendungen, die ihm dabei helfen sollen Prozessoptimierung durchzuführen und kooperativ zusammenzuarbeiten.

Connected Construction Plattform (CCP): Obwohl Plattformlösungen die Digitalisierung der Baubranche erst möglich machen, haben sie einen entscheidenden Nachteil. Um funktionieren zu können und wirklich Konnektivität entlang der Wertschöpfungskette zu schaffen, müssen alle Beteiligten eines Bauvorhabens die selben Tools, Softwares und Plattformen nutzen. Für die meisten Bauvorhaben ist das nicht realisierbar, da verschiedene Bauakteure auch verschiede Lösungen benötigen oder favorisieren. Auch ist es nahezu unmöglich mit einem Anbieter den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerkes abzudecken. Daten gehen verloren, die Digitalisierung hinkt weiter hinterher, Prozessoptimierung wird nur zwischen einzelnen Phasen möglich. Wie können wir ganzheitliche Konnektivität entlang der Wertschöpfungskette schaffen?

Eine Connected Construction Plattform könnte hier der Schlüssel zum Erfolg sein. Eine Plattform nach dem Baukastenprinzip, die auf bereits vorhandenen IT-Strukturen aufbauen kann. Diese nimmt eine Art 'Schirmfunktion' ein unter dem Mikroservices jeglicher Anbieter Anwendungen finden können. Das Datenpotential bestehender Einzellösungen wird so durch Zentralisierung nutzbar. Datensilos werden aufgebrochen und der Fragmentierung der Bauindustrie entgegengewirkt. Mehr Projekterfolg wird gewährleistet, indem manuelle Schnittstellen und Schritte zwischen verschiedenen Softwarelösungen reduziert werden, hin zu Konnektivität entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mehr darüber erfahren Sie hier.

Die Digitalisierung der deutschen Bauindustrie hängt von zahlreichen Faktoren ab. Experten sind sich sicher, sie wird kommen und wer weiterhin am Baugeschehen mitmischen möchte, sollte sich mit ihr auseinandersetzen. Digitalisierung bietet enorme Potentiale für eine Branche, die so lukrativ ist, wie kaum eine andere. Konnektivität entlang der Wertschöpfungskette durch kooperative Zusammenarbeit, hin zu stetig mehr Projekterfolg - eine Zukunftsaussicht die eigentlich doch positiv zu erwarten und voranzutreiben ist.

Veröffentlicht von

Thilo Tamme

7.6.2021

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